Jeder, der den Film „From Dusk Till Dawn“ gesehen hat, erinnert sich an den lasziven Schlangentanz von Salma Hayek, die zu den Klängen des Liedes „After Dark“ Quentin Tarantino bezirzte. Dieser Song machte den mexikanischen Frontmann Tito Larriva und seiner Band 1996 auf einen Schlag weltweit bekannt. Das aktuelle Album „8 Arms To Hold You“ schrieb Tito mit seiner Tochter Lolita zusammen und beide präsentieren es auf der aktuellen Tour. Warum gerade dieses achte Werk sein persönlichstes ist und welches tragische Ereignis leider damit zu tun hat, erzählten mir die beiden.

TITO & TOCHTER


Würdet ihr mir und meiner Tochter raten, nach eurem Vorbild, gemeinsam Songs zu schreiben und Musik zu machen?
Absolut, solange deine Frau eine gute Rechtsschreibung beherrscht. Die ist bei meiner Tochter und mir lausig.



Lolita: Hey, sprich nur für dich selbst!



Meine Frau muss grundsätzlich unsere Texte auf Rechtsschreibung überprüfen! (Lacht) 
Aber ich kann dich auf jeden Fall nur ermutigen, dies gemeinsam mit deinem Nachwuchs zu machen. Es ist großartig!



Okay, dann sollte ich anfangen ein Instrument zu lernen …
(Beide lachen) Vielleicht reicht ja auch pfeifen!



Wie ist euer Verhältnis?
Lolita tourte auch schon als Baby mit uns und hat in Ihrer Windel mit uns gerockt! (Beide lachen)



Lolita: Und ich habe auch schon sehr früh angefangen eigene Songs zu schreiben.



Ich bin ein großer Fan ihrer Bands – allerdings muss ich das als ihr Vater auch sein. (Lolita lacht)
Sie hat schon ein großartiges Gefühl für das Songschreiben. Und auch wenn wir oft sehr ähnliche Vorstellungen, gehen diese gleichzeitig auch wieder sehr weit auseinander. Ich spreche zwar nur für mich, aber wir haben tolle Diskussionen über z.B. die Perspektive eines Textes und ich lerne daraus viel über meine Tochter – und ich hoffe, sie auch viel über mich.



Lolita: Auf jeden Fall! Wir hatten sehr viel Zeit über Songs im Detail zu reden und dies ist in der heutigen schnelllebigen Zeit sicherlich auch sehr selten geworden. Auch wenn ich viele Erfahrungen mit anderen Bands gesammelt habe, ist es mit meinem Vater immer etwas einzigartiges geblieben. Tito hat viel Erfahrung und auch sehr spezielle Arbeitsweisen. Daraus habe ich wieder viel gelernt und auch über seine Ansichten erfahren. Und so haben wir alle Songs zusammen geschrieben.



Jeder von uns sozusagen „halbherzig“. (Lacht)



Lasst uns kurz bei dem Album „8 Arms To Hold You“ bleiben. Ihr lebt in Austin, Texas habt dieses aber in El Paso aufgenommen. Warum?
El Paso ist meine Heimatstadt, dort bin ich als Kind aufgewachsen und zur High School gegangen. Dort gibt es die Sonic Ranch Studios, den größten Wohn-Aufnahmestudio-Komplex der Welt – wirklich beeindruckend.



Kurz nachdem du die Aufnahmen begonnen hattest starb dein Vater …
Das ist richtig. Genau genommen am nächsten Tag. Wir kamen an und am nächsten Tag – genauer in der Nacht verstarb er.



Wie konntest du nach dem Schicksalsschlag mit den Aufnahmen weitermachen?
Das ist das Merkwürdige: Nach seinem Tod kehrte ich nachmittags ins Studio zurück und begann die Aufnahmen. Natürlich war ich traurig, aber irgendwie noch mehr … vielleicht spirituell. Ich kann es gar nicht beschreiben. Jeder unterstützte mich dort, vor allem natürlich meine Tochter. Die Musik war auf eine merkwürdige Art heilend und reichte irgendwie bis dorthin, wo sich mein Vater in dem Moment aufhielt. Es war ein merkwürdiges und mysteriöses Gefühl.



Ist es dein persönlichstes Album geworden?
Ja, absolut.



Lolita: Tito war während des Schreibens zwar sehr offen für meine Ideen, dennoch steckt von ihm unglaublich viel mehr drin.



Tito, dein Vater sagte einmal: „You become a man on the day your father dies.“ 
Das ist richtig, dies hat er andauernd gesagt. Selbst als ich noch ein Kind war. Ich erinnere mich, dass er dies auch sagte, als sein Vater starb.



Hat dich sein Tod verändert?
Wir saßen bei seiner Beerdigung und ich fühlte mich anders, ja. Ich dachte, dass ich vielleicht nicht in allen Dingen so dumm sein sollte. (Lacht) Nein, das habe ich natürlich nicht gedacht, aber ich hatte in der Tat die Szene aus „Der Pate“ im Kopf, in der Al Pacino Vito Corleone beerdigt. Seit seinem Tod spüre ich schon, dass ich eine andere Verantwortung für meine Familie trage. Ich weiß auch nicht, es ist fremdartig …



Welche Werte sind euch besonders wichtig?
Ich denke Respekt. Der Respekt gegenüber den Individuen, mit denen man arbeitet oder der Person, die du liebst.



Lolita: Es ist sehr wichtig sich einzugestehen, wenn man falsch liegt, um aus seinen Fehlern zu lernen. Man sollte über sich selbst lachen können und in der Lage sein, eine gewisse Leichtigkeit an den Tag zu legen und etwas nicht zu intensiv zu verfolgen.



Das ist cool, das wusste ich gar nicht! (Lacht)



Lolita: Du lernst nie aus!



Ihr seid gerade aktuell auf Tour. Welche Verbindung habt ihr zu Deutschland?
Es gibt mehrere: Meine Großmutter war Deutsche, ihr Vater kam aus Bonn. Bestimmt habe ich Verwandtschaft hier, allerdings kenne ich die nicht, da meine Großmutter nie darüber gesprochen hat. Mein Vater war aber sehr stolz auf seinen deutschen Nachnamen und er erzählte jedem, dass er deutsches Blut habe. Mittlerweile komme ich seit über zwanzig Jahren hier hin und ich habe viele Freunde hier. Ich mag Deutschland sehr, es ist wie ein zweites zuhause geworden.



Wie ist das deutsche Publikum?
Das Publikum ist dem Künstler gegenüber respektvoller – in Europa im Allgemeinen. Ich toure seit den Siebzigern durch die Staaten und es ist für Musiker allgemein schlimmer geworden.

Was meinst du mit schlimmer?
Lolita: In Deutschland bekommst du backstage keine Pizza! In Amerika gibt es meist zwei Bier und eine Pizza. (Beide lachen)



Na ja, mittlerweile hat das Publikum immer weniger Interesse daran, ob ein Künstler sich entwickelt, interessanter ist, ob dieser einen Hit hat. Als ich angefangen habe aufzutreten, wurde dem Künstler selbst noch mehr Wert entgegengebracht.






Tito, ich habe dich immer sehr gerne in Filmen gesehen. Planst du wieder zu schauspielern?
Als ich Hollywood vor zwölf Jahren verlassen habe und nach Austin, Texas gezogen bin, war mir klar, dass ich weniger Rollen erhalten werde. In Austin gibt es im Grunde keine Infrastruktur für den Film. Zuvor habe ich ein bisschen hier und ein bisschen da gemacht, wenn z. B. Robert [Rodriguez] angeklopft hat. Ich mag es eine Pause davon zu haben, natürlich hätte ich gerne für Game of Thrones die Musik gemacht … (Alle lachen) Das wäre ein toller Job gewesen!




Da Game of Thrones vorbei ist, was wünscht du dir für die Zukunft?
Aktuell möchte ich, dass „8 Arms“ die Menschen berührt, das die Tour uns viel Freude macht und das wir vielleicht noch ein Album machen können. Meine Tochter hat nämlich ein Feuer in mir entfacht und es wäre aufregend weitere Ideen, die ich habe, umzusetzen. Aber erstmal eins nach dem anderen …



Wie ist es bei dir Lola?
Lolita: Auf Tour zu gehen fühlt sich immer unwirklich an. Du verlierst die Verbindung zu deiner Familie und deinen Freunden zuhause – es ist ein schwieriger Job. Und ich liebe es total und möchte nichts anderes mehr machen! Ich wünsche mir, dass ich meine Beziehungen und Freundschaften zusammenhalten und weiterhin Musik erschaffen kann, die aus mir heraus kommt und nicht durch äußere Einflüsse bestimmt wird. Ergibt das Sinn? (Lacht)