Flak-Suchscheinwerfern erleuchten den Himmel, an welchem sich die Silhouetten von mehreren Bombern abzeichnen. Darunter steht zwischen Trümmern und Panzersperren stolz und erhaben eine Frau in Uniform. Über ihr prangt groß und in Fraktur ihr Name: Jadu. Hinter dieser provokanten Aufmachung und dem Titel ihres Debütalbums „Nachricht vom Feind“ verbirgt sich ein ungewohnter Stilmix mit tiefgehenden und vielschichtigen Texten mit Ohrwurm-Garantie. 

ÜBER DEN KAMPF INS SPIEL KOMMEN



Ehrlich gesagt bin ich über das provokante Cover deines 
Albums auf dich aufmerksam geworden.

Das ist doch schön! So soll es sein.

Wie kamst du auf die Idee, deine Musik derartig militant einzukleiden?
Ich habe es gar nicht forciert mit militärischen Metaphern zu arbeiten. 
Vielmehr ist es das Ergebnis einer Entwicklung gewesen, die mit dem Schreiben 
des Liedes „Todesstreifen“ begonnen hat. Darin geht es um depressive Menschen, 
die sich wie zurückgelassene Soldaten in einem Todesstreifen fühlen. Dabei habe 
ich festgestellt, dass ich mit derartigen militärischen Metaphern starke Bilder zeichnen kann – 
so hat sich langsam ein Konzeptalbum entwickelt.

Nun tragen deine Lieder Titel wie „Blitzkrieg“, „Feldzug Berlin“, „Weltenbrand“ 
oder halt „Todesstreifen“. Dies sind ja sehr aufgeladene Begriffe …
 
Die Titel bringen sicherlich eine gewisse – ich sag mal – Erwartungshaltung mit sich, 
doch ich liefere darin eine weitere Ebene, in welcher es z.B. um Depressionen geht, 
dass man sich zurückgelassen fühlt oder andere Menschen aus seinem Leben ausschließt. 
Es werden quasi zwei parallele Geschichten erzählt. „Blitzkrieg“ handelt nicht von Hitlers 
Feldzug, sondern von häuslicher Gewalt. Für mich ist das spannende, dass dadurch Vorurteile 
aufgebrochen werden. 

Du lädst die Begriffe also mit einer anderen Bedeutung auf.
In meinen Augen passt es, andere mögen es nicht. Aber das ist mir egal! (Lacht)

Wenn ich Live-Auftritte von dir sehe, sind es nicht nur Konzerte, sondern vielmehr 
Inszenierungen, da du auch Schauspieler mitbringst, die neben dir agieren. Warum?

Ich bin sehr an verschiedensten künstlerischen Ausdrucksformen interessiert. Für mich 
ist ein Song nur eine von mehreren Komponenten, die zusammengehören. Deshalb sind 
mir auch z.B. Musikvideos sehr wichtig, obwohl ich oft gehört habe: „Videos sind nicht nötig. 
Die gehen total unter. Die braucht man nicht.“ Ich mag das Visuelle. Bevor ich beginne ein 
Lied zu schreiben, habe ich zuvor richtige kleine Kurzfilme im Kopf. Vermutlich kommt es auch 
daher, dass meine Musik stark von Soundtracks inspiriert ist – ich möchte dem Hörer ebenfalls 
Bilder in den Kopf zu zaubern.

Das gelingt. Bei dem Lied „Sirenen & Wagner“, in welchem du über die Liebe Eva Brauns 
zu Adolf Hitler singst, bekam ich ein ungutes, ja beinahe ekeliges Gefühl.

Wenn dies so bei dir ankommt, habe ich alles richtig gemacht! Es ist mir sehr wichtig, dass 
bereits die Musik ohne Text ein Gefühl erzeugt. Hinzu versuche ich noch Worte zu finden, 
die im besten Fall noch eine weitere Bedeutungsebene erreichen. Wenn es also bei dir 
geklappt hat, bin ich glücklich! (Lacht)

Hast du Angst, dass ein solcher Song missinterpretiert oder vielleicht sogar bewusst 
auf schädliche Weise uminterpretiert werden könnte?

Wenn man es darauf anlegt, kann vermutlich vieles umfunktioniert oder missbraucht werden. 
Aber ich habe keine Angst davor, dass meine Songs von irgendwelchen Nazis ausgebeutet 
werden. Dies halte ich auch für sinnlos, schließlich wäre es auch ein ziemlicher Widerspruch.

Bekommst du aus der Presse oder aus Rezensionen mit, dass deine Musik falsch 
verstanden wird?

Ja, schon. Die Frage ob „Sirenen & Wagner“ nicht zu verherrlichend sei, gibt es immer. 
Wenn man sich dieses Lied aber richtig anhört oder das Album im gesamten Kontext 
betrachtet, sollte man verstehen, wie es gemeint ist. Dass ich als dunkelhäutige Frau 
keine Lobpreisungen auf Adolf Hitler singe, sollte recht schnell klar sein. Ich verstehe 
natürlich, dass sich Journalisten gerne auf das kontroverseste Lied stürzen und 
dementsprechend Fragen stellen, aber ich muss mich dafür ja nicht ständig rechtfertigen.

Im Mittelpunkt deiner Musik oder auch gerade in diesem Lied stehen sehr starke 
Emotionen wie Verführung oder bedingungslose Liebe. Damit behandelst du sehr 
aktuelle Themen in Gesellschaft oder Politik …

Da du es gerade erwähnst, beim Song „Bedingungslose Liebe“ habe ich in der Tat über 
Politiker nachgedacht, die viel reden, ohne etwas zu sagen. Dies kannst du natürlich auf 
vieles anwenden: Familie oder Beziehung.

Du lebst in Berlin, kommst ursprünglich aber ganz aus der Nähe von Münster, 
genauer aus dem Osnabrücker Land. Da du Kampf oder Konflik häufiger thematisierst, 
erlebst du diese in Berlin häufiger als in deiner provinziellen Heimat?
Nein, es ist eher anders herum. Auf dem Dorf – ich komme aus Bad Essen – erlebte ich 
viel stärker Unzufriedenheit und Gemotze. Jetzt lebe ich in Berlin und dort herrscht ein 
viel stärkerer interkultureller Austausch – zumindest ist das mein Gefühl.

Was meinst du mit „Unzufriedenheit und Gemotze“?
Meine Schwester und ich waren die einzigen im Dorf mit dunklerer Hautfarbe und dies 
hat man uns bereits in der Grundschule richtig spüren lassen. Beispielsweise hatte ich 
Lehrer, die auch noch „Neger“ gesagt haben. Gerade als Kind verletzt einen dies sehr.

Glaubst du, dass deine Texte, wenn sie missverstanden werden, auch verletzen können?
Es ist immer eine Gradwanderung und die Transferleistung, die manche Texte benötigen, 
gelingen sicher nicht jedem. Ich verstehe, dass es Leute gibt, die darauf sehr 
empfindlich reagieren – gerade bei Themen aus dem Dritten Reich.

Was planst du für deine Zukunft?
Pläne habe ich viele, z.B. würde ich gern größere Inszenierungen machen oder 
sogar gemeinsam mit einem Theater „Nachricht vom Feind“ als Stück mit Live-Musik 
auf die Bühne bringen. Da ich jedoch keine finanzielle Unterstützung durch eine 
große Plattenfirma oder ein Management hinter mir habe, ist noch die Frage, wie ich 
alles umsetze – meine kommende Tour habe ich auch vollständig selbst finanziert.

 

Du bist in der Tat eine DIY-Künstlerin: Du hast ein eigenes Label und – dies fand ich 
sehr bemerkenswert – zeichnest sogar für jede Stadt, in der du auftrittst eigenen Tickets.

Ich habe auch schon Gespräche mit großen Labels gehabt, doch quatschen die dir 
dann natürlich auch überall mit rein: „Willst du nicht ein bisschen mehr Hip Hop machen? 
Das können wir besser verkaufen.“ Ich bin aber keine Hip-Hopperin! Natürlich habe ich 
jetzt mehr Freiheiten, aber es ist auch schwieriger, schließlich hast du niemanden, der dir 
Geld hinten reinbläst! (Lacht)