Was haben jede Menge weiblicher Brüste, viele Waffen und ein abgeschnittener Finger im Wüstensand mit einer südafrikanischen Kommune aus deutschen Popmusikern gemeinsam? The BossHoss! Erstere finden sich im aktuellen Musikvideo "Dos Bros" wieder, die Kommune könnte eine Umschreibung des "Sing meinen Song"-Konzepts sein, deren kommende Gastgeber "Hoss Power" und "Boss Burns" sind. Mit dem Boss aka Alec Völkel sprach ich über den Rausschmiss von Xavier Naidoo und das mögliche Kunstprodukt "The BossHoss".

BERLINER COWBOY

 


Für mich seid ihr Truck Stop 2.0.
(Lacht) Ach herrje.

Naja, viele deutsche und bekannte Country Bands gibt es ja nicht.
Ja gar nicht, eigentlich.

Genau, und bei Country denke ich an Truck Stop.
Haste recht! Vor zehn Jahre war in Deutschland Country synonym mit Truck Stop. Heute ist es wohl eher BossHoss. Wobei ich immer sage, dass wir eigentlich keine Countryband ist.

Sondern?
Country ist mehr eine Phase von viel mehr Bausteinen, die dabei sind. Aber klar, wir sind die Band mit den Cowboyhüten!

Aber wieso Country?
Das war eine spontane Idee. Wir wollten was covern, hatten Bock Musik ordentlich durch den Fleischwolf zu drehen. Aber scheinbar hatten wir einen Nerv getroffen, bei dem richtig was abgeht!

The BossHoss ist aber schon ein durchdesigntes Produkt.
Wenn "designt" bedeutet, dass wir uns Gedanken dazu gemacht haben, kann man das sagen. Aber es ist kein Reißbrettkonzept. Du musst es dir eher so vorstellten, dass wir in einer Kneipe zusammengesessen und beschlossen haben "Country wäre doch mal geil!". Das haben wir ausprobiert, fanden es geil und hatten voll Bock weiterzumachen - so war es immer ein fortlaufender Prozess.

Ein Prozess, der heute noch weiterläuft?
Ja, wir arbeiten weiter daran. Ich fänd es öde, wenn wir zehn Jahre den gleichen musikalischen Schuh anhätten. Aber wir mögen den Sound und früher haben wir auch eigene Songs geschrieben, also machen wir es auch bei BossHoss. So wurde aus dieser Country-Cover-Idee ein eigenes Baby.

Eigentlich kommst du aus der Heavy Metal-Ecke ...
Ich habe damit angefangen als ich Teeny war, das stimmt. Metal war mein Ding - dann kam noch Punk Rock dazu! Das waren musikalisch immer meine Wurzeln, aber auch das entwickelt sich natürlich über die Jahrzehnte auch weiter.

Ist das eine kreative oder monetäre Entwicklung?
Ich kann gar nicht sagen, wie das so kam. Das BossHoss zwischen mir und Sascha entstanden ist, war im wahrsten Sinne des Wortes eine Schnapsidee. Wir hatten jeder eine Band: Alles was gitarrenlastig war, war meins und Sascha spielte damals mehr Rockabilly und 60's Garage.

Und wenige Jahre später geht das aktuelle Album schon durch die Decke ...
"Dos Bros" hat zwar schon ein Jahr auf dem Buckel, aber es ist natürlich mega, dass das Album aktuell noch so erfolgreich ist - schon geil!

Ist das der Karrierehöhepunkt?
Ein Höhepunkt ist natürlich schwer zu definieren. Ich sag mal so: Wir freuen uns extrem, dass wir in den zwölf Jahren, die wir Musik machen einen kontinuierlichen Anstieg hatten. So hatten wir immer das Gefühl, dass sich mehr aufbaut - das ist schon sehr cool!

Als ich das "Dos Bros"-Video gesehen habe, kamen mir sofort Russ Meyer und Robert Rodriguez in den Sinn. Sind dies Inspirationsquellen für euch?
Ja klar, das sind Sachen, die man selbst geil findet. Das ist sicher alles etwas überzogen, aber es passt zu uns und wir finden uns darin auch wieder.

Vor einiger Zeit ward ihr in Nashville in einem Songwritingcamp ...
Camp klingt immer so danach, als ob man jeden Tag mit zehn Leuten zusammensitzt und abends geht jeder in sein Zelt. Vielmehr haben wir uns über mehrere Wochen jeden Tag mit anderen Leuten getroffen.

Warum habt ihr das gemacht? Wolltet ihr euch amerikanisieren? 
Es war eher ein Tapetenwechsel um einen kreativen Startschuss abzufeuern. Schließlich ist es immer gut, wenn man mal die gewohnte Umgebung verlässt und den Kopf freibekommt.

Mit wem habt ihr euch getroffen?
Mit Leuten von denen wir wussten, dass es kreative Köpfe sind, die geile Songs schreiben. Und die auch verstanden haben, was wir musikalisch machen wollen.

Das ist also ein amerikanisches "Sing meinen Song" ...
Nee, bei der Sendung weißt du im Vorfeld, was passiert. An Nashville sind wir völlig offen rangegangen und geschaut, was an Ideen entsteht und auch was dein Gegenüber vor Vorstellung von deiner Musik hat.

Apropos "Sing meinen Song": Ihr werdet die Gastgeber der kommenden Staffel.
Ja.

Das bedeutet? Da sitzen doch eh aller nur in einer Runde beisammen.
Na ja, es ist schon eine größere Sache so eine Sendung über mehrere Folgen zu führen, als lediglich einer Einladung zu folgen, sich hinzusetzen und Musik zu machen. Du hast die Aufgabe alle an einen Tisch zu bringen, dort zu halten und die Sendung spannend zu gestalten.

Das macht ihr? Da sitzen keine Redakteure hinter?
Ja klar gibt es Redakteure - ohne geht es nicht. Aber wir haben vor der Kamera die Aufgabe das Ding durchzubringen. Das ist schon schwieriger, als zuhause auf dem Balkon mit ein paar Leutchen ein Bier zu trinken - da steckt eine Menge Arbeit drin. Du gehst ja nicht hin und sagst "Ich singe den Song von XY", vielmehr bereitest du dich wochenlang vor, etwas Kreatives auf die Beine zu stellen. Das parallel mit der Gastgeberrolle zu verbinden ist nicht ohne. Hinzu kommt, dass Xavier (Naidoo) für diese Sendung stand - die Fußstapfen muss man auch erstmal füllen!

Habt ihr ihn rausgeschmissen?
(Lacht) Nein, er wollte nicht mehr dabei sein. Eigentlich wollte er nach dem zweiten Mal schon aufhören, hat sich aber noch ein drittes Mal bereit erklärt mitzumachen. Da war aber schon klar, dass er kein Bock mehr hat. Er ist einer, der äußerst selten Sachen mehr als zweimal macht. Das kann ich auch nachvollziehen, dass man nach drei Runden geht bevor es langweilig wird.

Was wollt ihr anders machen?
Auf jeden Fall nicht Xavier ersetzen! Eine Gastgeberrolle ich immer so schwer zu definieren ... Zuvor bist du zu Xavier gegangen und nun geht es zu den Jungs von BossHoss nach Hause. Da sieht es logischerweise anders aus, da wird es auch ein bisschen anders zugehen und das versuchen wir so natürlich wie möglich in die Sendung einzubringen.

Knallt das auch mal hinter den Kulissen?
Nö, eigentlich nicht. Es ist clever, dass die Sendung in Südafrika gedreht wird, denn das ist ein toller Ort, auf den jeder Bock hat und es macht Spaß dort Musik zu machen. Natürlich hat jeder auch mit sich selbst zu tun und ist witziger Weise extrem aufgeregt. Da geht allen schon gut die Muffe!

Wieso? Es sind doch alles Profis.
Ich glaube die Angst zu Verkacken und der Druck etwas Geiles vor den anderen abzuliefern liegen nah beieinander. Aber das sorgt gleichzeitig auch für gute Musik, da jeder konzentriert ist. Aber herrscht auch eine entspannte Atmosphäre: Nach der Aufzeichnung setzt man sich noch auf ein Bierchen zusammen, es wird auch mal länger und man lernt sich gut kennen. Das ist echt cool!

Sicherlich auch für andere Projekte! Xavier hat bei eurem Album auch mitgemischt ...
Er hatte auch einen Gastauftritt. Das ist ja das Tolle an der Sendung: Du sitzt mit Leuten am Tisch, bei denen du nie auf die Idee gekommen wärst, dass du mit deren Musik etwas anfangen kannst - es wird eine Genrebeschränkung abgebaut.

Als ehemalige Coverband spielt euch das ja direkt in die Hände.
Ja genau, wir bringen darin schon einige Erfahrung mit, anderen Songs unseren Stil aufzudrücken.