Manche Stimmen begleiten einen durch das ganze Leben – die der Eltern oder der Freundin. Aber es gibt auch Stimmen, die man persönlich gar nicht kennt und die einem dennoch sehr vertraut sind: die Synchronstimmen. Eine der bekanntesten gehört Andreas Fröhlich. Neben Edward Norton oder John Cusack spricht er seit fünfunddreißig Jahren in der erfolgreichsten deutschen Hörspielserie: Die drei Fragezeichen. Ich hatte die Gelegenheit mit Andreas über schlechte Filme, J.R.R. Tolkien und doofe Menschen zu sprechen.

STIMMGEWALTIG



Darf ich Sie duzen? Ihre Stimme ist mir seit über dreißig Jahren dermaßen vertraut, da fühlt sich ein „Sie“ einfach falsch an!
Ja, natürlich! Dann mach das doch.

Für viele bist du ein echtes Schlafmittel. Wie lebt es sich damit?
(Lacht) Das ist für mich ein Kompliment. Zahlreiche Menschen brauchen „Die drei Fragezeichen“ um gut in den Schlaf zu kommen. Insofern bin ich ein Teil von Deutschlands beliebtesten Schlafmittel ohne Nebenwirkungen. Für mich ist das ein großes Lob!

Neben Hörspielen liest du auch Hörbücher ein, bist vor allem aber als Synchronsprecher bekannt. Hast du einen Darsteller, den du am liebsten sprichst?
Ich spreche mittlerweile nur noch zwei Personen fest: Edward Norton und John Cusack. Leider haben die beiden in den letzten Jahren keine so interessanten Filme gemacht. Ein bisschen hat man das Gefühl, dass sich die beiden im großen Hollywood-Markt verloren haben.

Aber du wirst sie weiterhin synchronisieren?
Ja, das sind ja auch tolle Schauspieler – ich mag die total gern. Aber ich habe natürlich keinen Einfluss darauf, was die für Filme machen. Momentan ist da aber ein bisschen die Luft raus, aber das wird sich bestimmt wieder ändern und bessere Streifen kommen. Diese werden dann vielleicht nicht die Massen ansprechen, dafür aber anspruchsvoller oder innovativer sein – so wie „Fight Club“ oder „High Fidelity“.

Hast du bei Filmen, die du persönlich nicht magst, eine andere Herangehensweise beim Sprechen?
Ich versuche nicht so zu bewerten, wenn ich synchronisiere. Wenn ich die Möglichkeit habe, schaue ich mir die Filme vorher natürlich an und sage es auch, wenn ich einen Film total bekloppt finde. Aber dadurch werde ich bei der Arbeit nicht lustloser. Anderseits, je ansprechender ich einen Film finde, desto mehr will ich mich auch einbringen und bin mit Begeisterung dabei. Es ist eine professionelle Haltung, dass ich versuche, alles in der gleichen Qualität abzuliefern.

Schaust du überhaupt noch synchronisierte Filme?
Ich bin ein absoluter O-Ton-Gucker, obwohl ich solche Leute früher immer ganz doof fand. Aber nun hat es mich auch gepackt und ich bin auch so einer.

Was waren deine Gründe, ein doofer Mensch zu werden?
(Lacht) Das liegt zum einen daran, dass meine Tochter auf eine internationale Schule geht. Zum anderen kenne ich natürlich alle Synchronstimmen. Wenn ich mir einen Film auf Deutsch anschaue, höre ich genau heraus, wie er synchronisiert wurde. Ich kann mich dann nicht mehr auf die Handlung konzentrieren, weil ich in erster Linie den Stimmen lausche. Wenn ich also die Möglichkeit habe, Filme im O-Ton zu schauen, tue ich das auch.

Viele werden nicht wissen, dass du auch als Synchronregisseur gearbeitet hast.
Richtig, das habe ich relativ lange gemacht, aber nun konzentriere ich mich wieder auf andere Dinge.

Hat es keinen Spaß gemacht?
Doch, auf jeden Fall. Aber es nimmt auch wahnsinnig viel Zeit in Anspruch, sich in die Materie einzuarbeiten. Es war immer eine tolle eigenverantwortliche Arbeit, doch hat sich dies in den letzten Jahren ein bisschen verändert. Nicht nur von meiner Seite, sondern auch von der Seite der Verleiher.

Inwiefern?
Bei Schreiben der Dialogbücher habe ich mich als Regisseur und Autor verstanden, der die volle Verantwortung übernimmt und genau weiß, was er macht. Jetzt reden mittlerweile sehr viele Leute mit rein.

Versucht ein Verleih nicht immer einen gewissen Einfluss zu behalten?
Doch schon – und es ist ja auch nicht schlimm, wenn zum Beispiel Besetzungsvorschläge gemacht werden. Aber wenn einfach entschieden wird, und man mich dabei komplett übergeht, finde ich das schon schwierig. Das macht dann irgendwann keine Freude mehr.

Du hast die Dialogregie bei der „Herr der Ringe“-Trilogie geführt. Hätte dich, trotz der genannten Schwierigkeiten, die Arbeit an der „Hobbit“-Trilogie nicht auch gereizt?
Die „Herr der Ringe“-Filme waren eine tolle Aufgabe und eine großartige Zusammenarbeit – sehr intensiv! Den „Hobbit“ hätte ich auch wirklich gern gemacht und hatte ihn auch eingeplant, aber es gab dann in erster Linie zeitliche Schwierigkeiten, so dass ich es überhaupt nicht mehr hinbekommen habe.

Den Job hast du dann deiner Schwester Katrin gegeben …
Richtig. Die kennt sich auch sehr gut mit der Materie aus und hat das wirklich ganz toll gemacht – und als Sprecher bin ich auch noch dabei.

Stimmt! Als Gollum! Lass mich noch einmal kurz auf Hörbücher zurückkommen, die seit einigen Jahren eine wahre Renaissance erleben. Es wird gefühlt kein Roman mehr veröffentlicht, der nicht auch noch eingesprochen wird. Glaubst du, dass du als bekannter Sprecher Anteil an dieser Entwicklung hattest?
Das hat, glaube ich, überhaupt nichts mit meiner Person zu tun. Ich sehe mich auch nicht als jemand, der Hörbücher nach vorn gepusht hat. Was den Hörbuchmarkt anbelangt, was das vielleicht eher Rufus Beck, der mit den Harry Potter-Lesungen für einen extremen Boom gesorgt hat. Und das mag aber nicht nur an Rufus Beck, sondern auch an der populären Vorlage gelegen haben.

Aber man könnte schon behaupten, dass aktuelle eine Tradition des Erzählen wiederauflebt.
Wenn gute Geschichten mit hervorragenden Sprechern besetzt sind, ist es das Tollste überhaupt. Man hört zu und vergisst, dass jemand etwas vorliest. Genauso ist es beim Film: Wenn dem Zuschauer die Kameraarbeit auffällt, dann ist diese nicht gut. Auch die Synchronisation muss mit dem Film verschmelzen, so dass der Eindruck entsteht, dass ausländische Darsteller mit deutscher Zunge sprechen.

Zum Ende würde mich noch interessieren, ob du ein Traumprojekt hast. Etwas, was du unheimlich gerne verwirklichen würdest.
Das gibt es in der Tat. Ich möchte gern Tolkiens „Hobbit“ als Live-Hörspiel auf die Bühne bringen. Das ist etwas, was ich schon seit Jahren machen möchte und auch schon seit langer Zeit in der Vorbereitung habe.

Tolkien lässt dich wohl nicht mehr los. Letztes Jahr (2013) warst du auch mit Denis Scheck auf Tour und ihr habt auf dem „Hobbit“ vorgelesen.
Ich mochte das Buch schon immer gern. Es ist auch eines der ersten, die ich selbst gelesen habe – noch vor dem „Herrn der Ringe“. Bei den Lesungen habe ich noch einmal gemerkt, was für eine ungeheure Faszination davon ausgeht, Tolkiens Buch zum Leben zu erwecken. Viele kennen bestimmt noch das alte Hörspiel vom Bayrischen Rundfunk oder das englische Original. Bei mir spielen sich da immer bestimmte Bilder im Kopf ab …

Peter Jackson hat mit seinen Filmen dem Werk aber auch einen ziemlichen Stempel aufgedrückt.
Ja, er hat aus einem kleinen Buch drei fette Filme gemacht. Ich denke, man sollte sich das Werk noch einmal vornehmen und ganz nah am Stoff bleiben. Für mich schreit es förmlich danach, auf die Bühne gebracht zu werden.

Wann wird es soweit sein?
Das ist alles nicht so leicht! Schon Jackson hat sich an der Tolkien-Gesellschaft die Zähne ausgebissen und mir und den Leuten, mit denen ich das Projekt vorantreibe, geht es nicht anders. Vielleicht kann ich in diesem Jahr noch bekanntgeben, dass es klappt. Eine definitive Zusage von Tolkiens Erben habe ich leider noch nicht.

Dann drücke ich dir die Daumen! Ich würde es mir gerne ansehen.
Wenn es klappt, werden wir uns mit Sicherheit nochmal hören.